Massive Verluste des Schwergewichts SAP
haben den Dax am Donnerstag auf
tieferes Terrain gezogen. Der Softwarekonzern hatte mit seinen
Quartalszahlen und dem Ausblick enttäuscht. Als weitere
Belastungsfaktoren für den deutschen Aktienmarkt nannten
Marktstrategen wieder zunehmende geopolitische Spannungen,
erhebliche Preisanstiege bei Energieträgern und den zunehmend
starken Euro zum US-Dollar.
Der Dax verlor bis zum Nachmittag 1,0 Prozent auf 24.574 Punkte,
wovon rund zwei Drittel auf die SAP-Verluste zurückgehen. Der MDax
der mittelgroßen Börsenwerte stieg hingegen um 0,2
Prozent auf 31.708 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
ging es um rund 0,6 Prozent nach oben.
"Insbesondere der Iran-Konflikt schwebt wie ein Damoklesschwert über
den Köpfen der Anleger und belastet die Risikobereitschaft.
Zusätzlich sorgt die unklare Gemengelage rund um den Konflikt um
Grönland für Verunsicherung. Solange belastbare Signale zur
geopolitischen Entwicklung ausbleiben, dürfte die Vorsicht an den
Aktienmärkten anhalten", kommentierte Marktexperte Timo Emden von
Emden Research.
Die US-Zinsentscheidung vom Vorabend ließ die Anleger kalt, da die
Fed den Leitzins erwartungsgemäß unverändert gelassen hatte. Im
Blick steht hier weiterhin die Unabhängigkeit der Fed, die sich der
Angriffe von US-Präsident Donald Trump erwehren muss.
Europas größter Softwarehersteller SAP kann seine Anleger mit einer
angepeilten Beschleunigung des Umsatzwachstums nicht über die
Enttäuschung um die aktuelle Lage hinwegtrösten. Ende 2025 konnten
die Walldorfer nicht so viele Verträge im Wachstumsfeld mit
Cloudsoftware abschließen wie erhofft. 2026 dürfte das Wachstum des
Vertragsbestands auf Sicht der kommenden zwölf Monate im Vergleich
mit dem Vorjahr zurückgehen. Um die Investoren bei Laune zu halten,
steckt das Unternehmen die kommenden zwei Jahre bis zu 10 Milliarden
Euro in Aktienrückkäufe.
Das SAP-Papier rutschte im Handelsverlauf auf den tiefsten Stand
seit fast zwei Jahren ab und verlor zuletzt rund 17 Prozent. Einen
größeren Tagesverlust gab es zuletzt im Oktober 2020, als der
Software-Entwickler wegen der Corona-Pandemie die Geschäftsziele
drastisch zusammenstreichen musste. Seit dem Rekordhoch vor knapp
einem Jahr summiert sich das Kursminus damit auf mehr als 40
Prozent.
Die Deutsche Bank verzeichnete 2025 ein
Vorsteuerergebnis von 9,7 Milliarden Euro auf Rekordniveau. Damit
erreichte das Geldhaus nicht nur sein Renditeziel, sondern übertraf
auch die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Die
Anteilseigner können sich nun auf eine Dividende von einem Euro
freuen, rund anderthalbmal so viel wie im Vorjahr. Zudem stellte das
Institut weitere Aktienrückkäufe in Aussicht. Getrübt wird der
Geschäftserfolg aber durch die erneuten Ermittlungen gegen
Verantwortliche und Mitarbeiter der Bank wegen des Verdachts der
Geldwäsche. Die Aktie erholte sich am Nachmittag von ihren klaren
Anfangsverlusten und notierte zuletzt 0,7 Prozent im Plus.
Die Deutsche-Bank-Tochter DWS übertraf 2025 ihre
Ziele und legte die Latte für die kommenden Jahre höher. Zudem
sollen die Aktionäre im Jahr 2027 eine Sonderdividende erhalten. Die
DWS-Anteilsscheine erklommen ein Rekordhoch bei 63,20 Euro und
verteuerten sich als MDax-Spitzenreiter zuletzt um 13 Prozent.
Anfänglich klaren Kursgewinnen bei Nemetschek folgte
eine steile Talfahrt auf zuletzt minus 3,3 Prozent. Die Aktien des
Anbieters von Software für Bau und Architektur dürften wie auch die
anderer europäischer Software-Unternehmen unter den schwachen
Vorgaben von SAP leiden. Nemetschek steigerte 2025 den Erlös um
knapp ein Fünftel und knackte damit erstmals die Umsatzmarke von
einer Milliarde Euro. Umsatz und Profitabilität lagen den Angaben
zufolge im Rahmen der Prognose des Unternehmens sowie der
Analystenschätzungen.
Die Aktien von Siemens gewannen an der Dax-Spitze 4,2
Prozent und nähern sich damit ihrem Rekordhoch von Mitte Januar.
Marktbeobachter verwiesen als Begründung auf den starken
Auftragseingang des Konkurrenten ABB , der positive
Rückschlüsse auf die Orderlage des deutschen Technologiekonzerns
zulasse.
Die jüngste Kupferpreisrally zieht Anleger weiterhin auch in die
Aktien von Aurubis . Die Papiere der Hamburger
Kupferhütte setzten ihre Rekordjagd mit einem Anstieg bis auf 170
Euro fort. Zuletzt notierten sie noch 6,1 Prozent im Plus. Allein im
Januar haben sie sich bereits um mehr als ein Drittel verteuert -
und das nach einem Kursanstieg um gut 60 Prozent im vergangenen
Jahr.
Die Titel von Flatexdegiro setzten ihren jüngsten
Rekordkurs mit einem weiteren Höchststand bei 42,62 Euro fort und
notierten zuletzt 4,0 Prozent im Plus. Mit einem Kursaufschlag von
mehr als 14 Prozent in dem noch jungen Jahr 2026 gehören die Papiere
des Online-Brokers zu den attraktivsten Werten im MDax./edh/jha/