Aktien Frankfurt: Verluste vor US-Zinssignalen und Big-Tech-Zahlen
Vor der Bekanntgabe der Zinsentscheidung der
US-Notenbank Fed am Mittwochabend hat der deutsche Aktienmarkt den
Rückwärtsgang eingelegt. Der Dax sank auf den
tiefsten Stand seit einer Woche und verlor zuletzt 0,5 Prozent auf
24.771 Punkte. Tags zuvor war der deutsche Leitindex
zwischenzeitlich über die viel beachtete Marke von 25.000 Punkten
gestiegen, letztlich aber wieder abgedreht.
Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte gab am
Mittwochnachmittag um 0,6 Prozent auf 31.530 Zähler nach. Für den
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um rund 0,4
Prozent bergab.
Die US-Notenbank wird am Abend den Leitzins aus Sicht von Experten
nicht weiter senken. Im Dezember hatte sie den Zins noch um 0,25
Prozentpunkte reduziert, im vergangenen Jahr um insgesamt 0,75
Punkte. Begründet wurden die Lockerungen bei einer hartnäckigen
Inflation mit einem sich abschwächenden Arbeitsmarkt.
Im Blick der Finanzmärkte steht aber vor allem der Kampf um die
Unabhängigkeit der Fed im Zuge des anstehenden Führungswechsels.
US-Präsident Donald Trump übt seit Monaten starken Druck auf
Fed-Chef Jerome Powell aus. Zuletzt eskalierte der Konflikt mit der
Einleitung rechtlicher Maßnahmen gegen Powell, dessen Amtszeit im
Mai endet. Die heftigen Attacken Trumps und seine geforderten
Zinssenkungen sorgten für Verunsicherung an den Finanzmärkten. "Der
Fed kommt die schon länger absehbare Pause bei den Zinssenkungen
daher wohl gelegen, da sie mit ihr ihre Unabhängigkeit demonstrieren
kann", kommentierte Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner.
Aus Branchensicht stehen deutsche Hightech-Aktien nach einem
überraschend positiven Quartalsbericht und einem optimistischen
Ausblick des Halbleiterindustrie-Ausrüsters ASML in
der Anlegergunst. Der niederländische Konzern profitiert weiter
stark vom KI-Boom. Dies trieb die Papiere von Jenoptik
um knapp 10 Prozent auf den höchsten Stand seit
Oktober. Für den Hersteller von optischen Systemen, Lasern und
Messtechnik ist ASML laut Jefferies-Analyst Henrik Paganetty der
wichtigste Kunde.
Gute Nachrichten gab es auch vom südkoreanischen Chip-Hersteller SK
Hynix , der dank des KI-Booms ein Rekordquartal
verzeichnete. Zudem hatte am Vorabend der US-Chipkonzern Texas
Instruments mit einem überraschend robusten
Quartalsausblick überzeugt. Die Nachfrage nach Chips für
industrielle Anwendungen und Autos scheint sich zu erholen. Das sind
vor allem mit Blick auf Infineon positive Signale.
Die Titel des größten deutschen Halbleiterkonzerns gewannen an der
Dax-Spitze 4,8 Prozent.
Razzia bei der Deutschen Bank : Wegen des Verdachts
der Geldwäsche durchsucht die Justiz Gebäude des größten deutschen
Geldhauses in Frankfurt und Berlin. Beschuldigt werden unbekannte
Verantwortliche und Mitarbeiter, wie die Staatsanwaltschaft
Frankfurt mitteilte. Hintergrund sind frühere Geschäftsbeziehungen
des Instituts zu ausländischen Gesellschaften, die ihrerseits im
Verdacht stehen, Geldwäsche betrieben zu haben. Die Aktie verlor
zuletzt 3,3 Prozent.
Eine Achterbahnfahrt legten die Aktien von Wacker Chemie
hin. Nach einem schwachen Start drehten sie rasch ins
Plus und stiegen zeitweise um mehr als 4 Prozent. Danach bröckelten
sie jedoch wieder ab und drehten ins Minus. Zuletzt verloren die
Papiere des Spezialchemie-Unternehmens 2,2 Prozent. Wacker Chemie
habe beim operativen Gewinn im vierten Quartal selbst die zuletzt
deutlich gesunkenen Markterwartungen noch klar verfehlt,
kommentierte JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi. Gleichwohl habe der
Lagerbestandsabbau in Kombination mit niedrigeren Investitionen zu
einem guten Finanzmittelfluss geführt.
Die Papiere von Bayer konsolidierten nach ihrem
jüngsten Höhenflug erst einmal und fielen um 2,9 Prozent. Mit einem
Jahresplus von fast 23 Prozent bleiben sie aber bester Dax-Wert im
noch jungen Jahr. Die Hoffnung der Anleger, dass die langwierigen
Glyphosat-Rechtstreitigkeiten in den USA in Bälde endlich abgehakt
werden könnten, sorgte seit Dezember für eine Aufwertung./edh/mis