Aktien Frankfurt: Anleger lassen Vorsicht walten - Fed-Sitzung im Fokus
Vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed
am Mittwochabend haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt etwas
auf die Bremse getreten. Der Dax notierte gegen
Mittag 0,2 Prozent tiefer bei 24.838 Punkten. Tags zuvor war der
deutsche Leitindex zwischenzeitlich über die viel beachtete Marke
von 25.000 Punkten gestiegen, letztlich aber wieder abgedreht.
Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte gab am
Mittwochmittag um 0,7 Prozent auf 31.516 Zähler nach. Dagegen zeigte
sich der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 praktisch
unverändert.
Die US-Notenbank wird am Abend den Leitzins aus Sicht von Experten
nicht weiter senken. Im Dezember hatte sie den Zins noch um 0,25
Prozentpunkte reduziert, im vergangenen Jahr um insgesamt 0,75
Punkte. Begründet wurden die Senkungen bei einer hartnäckigen
Inflation mit einem sich abschwächenden Arbeitsmarkt.
Im Blick der Finanzmärkte steht aber vor allem der Kampf um die
Unabhängigkeit der Fed im Zuge des anstehenden Führungswechsels.
US-Präsident Donald Trump übt seit Monaten starken Druck auf
Fed-Chef Jerome Powell aus. Zuletzt eskalierte der Konflikt mit der
Einleitung rechtlicher Maßnahmen gegen Powell, dessen Amtszeit im
Mai endet. Die heftigen Attacken Trumps und seine geforderten
Zinssenkungen sorgten für Verunsicherung an den Finanzmärkten. "Der
Fed kommt die schon länger absehbare Pause bei den Zinssenkungen
daher wohl gelegen, da sie mit ihr ihre Unabhängigkeit demonstrieren
kann", kommentierte Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner.
Aus Branchensicht stehen deutsche Hightech-Aktien nach einem
überraschend positiven Quartalsbericht und einem optimistischen
Ausblick des Halbleiterindustrie-Ausrüsters ASML in
der Anlegergunst. Der niederländische Konzern profitiert weiter
stark vom KI-Boom. Dies trieb die Papiere von Jenoptik
um mehr als 11 Prozent auf den höchsten Stand seit
Oktober. Für den Hersteller von optischen Systemen, Lasern und
Messtechnik ist ASML laut Jefferies-Analyst Henrik Paganetty der
wichtigste Kunde.
Gute Nachrichten gab es auch vom südkoreanischen Chip-Hersteller SK
Hynix , der dank des KI-Booms ein Rekordquartal
verzeichnete. Zudem hatte am Vorabend der US-Chipkonzern Texas
Instruments mit einem überraschend robusten
Quartalsausblick überzeugt. Die Nachfrage nach Chips für
industrielle Anwendungen und Autos scheint sich zu erholen. Das sind
vor allem mit Blick auf Infineon positive Signale.
Die Titel des größten deutschen Halbleiterkonzerns gewannen an der
Dax-Spitze sechs Prozent.
Eine Achterbahnfahrt legten die Aktien von Wacker Chemie
hin. Nach einem schwachen Start drehten sie rasch ins
Plus und stiegen zeitweise um mehr als 4 Prozent. Danach bröckelten
sie jedoch wieder ab und drehten ins Minus. Zuletzt verloren die
Papiere des Spezialchemie-Unternehmens 2,5 Prozent. Wacker Chemie
habe beim operativen Gewinn im vierten Quartal selbst die zuletzt
deutlich gesunkenen Markterwartungen noch klar verfehlt,
kommentierte JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi. Gleichwohl habe der
Lagerbestandsabbau in Kombination mit niedrigeren Investitionen zu
einem starken Mittelzufluss geführt./edh/jha/