Aktien Frankfurt: Erholung nach Trumps Zoll-Kehrtwende
Nach drei schwachen Tagen infolge des
neuerlichen Zollschocks hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag
zur Erholung angesetzt. Denn die Drohung durch neue US-Zölle gegen
acht europäische Länder ist nach einem Treffen des US-Präsidenten
Donald Trump mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte wieder vom Tisch.
Der Dax erholte sich am Vormittag um bis zu 1,5
Prozent auf 24.937 Punkte, nachdem er tags zuvor zeitweise noch bis
auf fast 24.349 Punkte gesunken war. Damit hatte er seit dem Rekord
der Vorwoche bei 25.507 Punkten 4,5 Prozent abgegeben. Zuletzt lag
der Dax am Donnerstagnachmittag noch bei 24.838 Punkten.
Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte lag mit plus
2,1 Prozent auf 31.585 Punkte näher am Tageshoch. Der
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 1,2 Prozent.
Er hatte nach einem Rekord in der Vorwoche zuletzt ebenfalls
deutlich korrigiert.
Trump hat mit Rutte einen Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung
über Grönland und die gesamte Arktisregion gesteckt - daher sollen
doch keine Zölle kommen. Nur wenige Stunden zuvor hatte das
EU-Parlament im Gegenzug zu Trumps Drohung noch die Ratifizierung
des Handelsdeals mit den USA gestoppt.
Analyst Alexander Krämer sprach von einer überraschend positiven
Wendung auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, die einen
transatlantischen Handelskrieg zunächst abgewendet habe. Dennoch
blieben die Details vage und die zugrundeliegenden Spannungen
bestehen, mahnte er.
Insbesondere Autowerte wie VW , BMW und
Mercedes reagierten zunächst mit deutlichen Gewinnen.
Der europäische Auto-Branchenindex war am Montag auf das tiefste
Niveau seit Oktober abgerutscht. VW überzeugte zudem bei der
Kassenlage im Konzernbereich Automobile. Die Aktien gewannen an der
Dax-Spitze bis zu 6 Prozent. Mercedes und BMW traten zuletzt aber
ins untere Dax-Mittelfeld zurück und lagen hier nur noch gut ein
halbes Prozent im Plus.
Bei der Deutschen Börse reagierten Anleger positiv
auf das milliardenschwere Angebot für die Fondsplattform Allfunds
. Die Aktien der Eschborner gewannen bis zu 4,5
Prozent. Die Anleger setzen auf die versprochenen Synergien.
Aus den Rüstungswerten zogen sich einige Anleger im Zuge der
leichten geopolitischen Entspannung zurück. Rheinmetall
, Hensoldt und Renk
gehörten zu den schwächsten Werten in Dax und MDax. Auch SAP
fielen negativ auf mit einem Tief seit Sommer 2024.
Die Aktien der Walldorfer leiden wie andere Softwareaktien schon
länger unter der rasanten KI-Entwicklung und entsprechender
Unsicherheit für das Wachstumsprofil.
Bei Carl Zeiss Meditec sorgten Signale für das
Geschäftsjahr für Mollstimmung und einen zweistelligen Kursrutsch.
Die Jenaer werden laut eigener Einschätzung nach einem überraschend
schwachen Auftakt die Jahresziele voraussichtlich nicht erreichen.
Derweil schossen Ionos im Nebenwerteindex SDax um gut
8 Prozent hoch auf das Niveau von Mitte November. Der Umbruch des
Internets, unter anderem durch agentische KI, sei eine Chance für
den Webhoster, schrieb Stephane Beyazian von der Investmentbank Oddo
BHF in seiner Empfehlung./ag/jha/