Wiener Börse (Mittag) - Grönland-Wende treibt ATX auf Rekordhoch / Trump nimmt Zoll-Androhung zurück - Positive Signale auch zur Ukraine - Kursgewinne auf breiter Basis
Nach der Rücknahme der Drohung neuer US-Zölle im Grönland-Streit und positiver US-Aussagen zur Ukraine haben die Anleger am Wiener Aktienmarkt am Donnerstag wieder auf "risk on" geschaltet. Der ATX übersprang infolge erstmals die Hürde von 5.500 Punkten. Gegen Mittag stand der Leitindex 2,10 Prozent im Plus bei 5.524 Punkten. Damit steuert das heimische Börsenbarometer auf den höchsten Kursgewinn seit vergangenem August zu.
Für den ATX Prime ging es am Donnerstag 2,07 Prozent auf 2.741 Zähler hoch. Klare Gewinne wurden auch an anderen europäischen Börsen verzeichnet.
Bereits am Vortag hatte der ATX wie Aktien weltweit positiv darauf reagiert, dass US-Präsident Trump in seiner Rede in Davos eine Militäraktion zur Übernahme Grönlands ausgeschlossen hatte. Nach europäischem Börsenschluss kündigte Trump dann an, dass ein Rahmen für ein zukünftiges Abkommen entstanden sei und die Zölle gegen europäische Länder ausgesetzt seien. "Die Risikostimmung hellt sich auf, da die Zölle vom Tisch sind und die meisten Trends vom Beginn der Woche kehren sich um", kommentierte Commerzbank-Analyst Erik Liem.
Für gute Stimmung sorgten womöglich auch optimistische Äußerungen der USA zu den Verhandlungen über einen Frieden in der Ukraine. Die Gespräche zur Beendigung des russischen Angriffskrieges sind nach Angaben des US-Sondergesandten Steve Witkoff weit fortgeschritten. Die USA könnten der Ukraine bei Zustimmung für einen Friedensplan im russischen Angriffskrieg erlauben, zollfrei in die USA zu exportieren, erklärte Witkoff zudem und bezeichnete dies als möglichen "Gamechanger" für die Ukraine.
Auch abseits der Geopolitik dürfte die Aufmerksamkeit am Berichtstag vor allem auf den USA liegen. Dort steht die Veröffentlichung des von der US-Notenbank Fed bevorzugten Inflationsmaßes PCE sowie die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe an.
In Wien stand die Kursrally am Berichtstag auf breiter Basis - alle Titel im Leitindex notierten mit Kursgewinnen von mindestens einem halben Prozent. Mit einem Zuwachs von 3,7 Prozent weit oben zeigten sich die AT&S-Scheine, die von einer allgemein guten Stimmung für Halbleiterwerte mit KI-Bezug profitierten. Das Unternehmen kündigte zudem an, in seinem Leobener Standort zu investieren.
Anteile an der BAWAG verteuerten sich um 2,3 Prozent auf 139,60 Euro. Vor den am 11. Februar anstehenden Jahreszahlen hoben die Analysten der UBS ihr Kursziel von 127 auf 151 Euro an und bestätigten ihre Kaufempfehlung. Die Unternehmenszahlen des vierten Quartals 2025 entwickelten sich nach UBS-Einschätzung positiv, mit einem sequenziell leicht verbesserten Kreditwachstum, Kosten im Rahmen der Prognose und keinem Anstieg der risikogewichteten Aktiva, erklärte Analyst Mate Nemes.
Klar fester zeigten sich auch die anderen Bankwerte. Erste Group und RBI notierten mit Kursgewinnen von 2,0 respektive 3,2 Prozent. Mit Aufschlägen von jeweils rund vier Prozent stark zeigten sich die Papiere von SBO, Porr und DO&Co.
spa/ste
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