ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Möglicher neuer Handelskrieg verschreckt
Sorgen über einen neuen Handelskrieg zwischen
den Vereinigten Staaten und Europa haben am Dienstag die US-Börsen
schwer belastet. Die Androhung von Strafzöllen gegen europäische
Staaten im Streit um Grönland schickte die wichtigsten Indizes nach
einem feiertagsbedingt langen Wochenende auf Talfahrt. Die Gewinne
seit Jahresbeginn sind bereits wieder Geschichte.
Charttechnisch wichtige kurz- und mittelfristige Trendsignale
zeichnen ein düsteres Bild für die weitere Börsenentwicklung. Der
Volatilitätsindex (VIX), der die kurzfristig erwarteten Schwankungen
im S&P 500 misst, stieg über 20 Punkte auf den höchsten Stand seit
November. Anleger flüchteten in Edelmetalle wie Gold als sicheren
Hafen. US-Staatsanleihen gaben nach.
Zwischen Washington und Europa war es am Wochenende zur Eskalation
gekommen. US-Präsident Donald Trump drohte im Streit um die zu
Dänemark gehörende Insel Grönland vom 1. Februar an Strafzölle gegen
einige europäische Länder an, die im Juni weiter steigen sollen,
sofern kein Abkommen über den Kauf Grönlands durch die USA erzielt
wird. Europäische Staats- und Regierungschefs reagierten empört und
erwägen Gegenmaßnahmen.
Der Dow Jones Industrial büßte letztlich 1,76 Prozent
auf 48.488,59 Punkte ein und schloss damit knapp über seinem wenig
zuvor erreichten Tagestief. Für den marktbreiten S&P 500
ging es um 2,06 Prozent auf 6.796,86 Zähler abwärts.
Der von Technologiewerten geprägte Nasdaq 100 sackte
um 2,12 Prozent auf 24.987,57 Punkte ab. Alle drei Indizes rutschten
unter die 21-Tage-Linie, die den kurzfristigen Trend signalisiert,
S&P 500 und Nasdaq sackten außerdem auch unter die 50-Tage-Linie für
den mittelfristigen Trend.
"Der Grönland-Streit zeigt: Handelsstreitigkeiten sind bei weitem
noch nicht beigelegt", sagte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP
Bank. Und sie dürften unter einer Trump-Administration wohl auch ein
"Dauer-Störfeuer" bleiben.
Im Dow waren 3M das Schlusslicht mit minus 7,0
Prozent. Der Mischkonzern enttäuschte zur Vorlage seiner
Quartalszahlen Analysten zufolge mit seinem bereinigten operativen
Ergebnis und blieb zudem mit seinem Margenausblick für 2026 etwas
hinter den Erwartungen zurück.
Die Aktie des KI-Chipherstellers Nvidia büßte als
schwächste unter den sogenannten "glorreichen Sieben" 4,4 Prozent
ein. Doch auch die anderen sechs - Alphabet , Amazon
, Apple , Meta , Microsoft
und Tesla - die zu den weltweit
größten und wichtigsten Technologieunternehmen zählen, gaben nach.
Sie verloren zwischen 1,1 und 4,2 Prozent.
Intel sprangen dagegen um 3,4 Prozent hoch und
profitierten von positiven Analystenkommentaren von HSBC und Seaport
Global Securities. Eine Erholung des lange Zeit vor allem im
Vergleich zur bärenstarken Konkurrenz schwächelnden Chipherstellers
nahm damit weiter Form an. Am Aktienmarkt setzen Anleger schon
länger auf eine Geschäftsbelebung.
Die Aktie des Streaming-Anbieters Netflix gab nach
anfänglichen Gewinnen um 1,1 Prozent nach. Im Bieterkampf um das
Hollywood-Urgestein Warner Brothers legte Netflix
nach. Das bisherige Gebot von knapp 83 Milliarden US-Dollar
inklusive Schulden für das Studio- und Streaming-Geschäft von Warner
wird zu einem kompletten Barangebot. Konkurrent Paramount
bietet gut 108 Milliarden Dollar für den gesamten
Konzern. Dessen Aktie verlor 2,1 Prozent, während Warner Bros. 1,2
Prozent abgaben.
Die Anteilscheine der Edelmetall-Produzenten Newmont
und Agnico Eagle Mines gewannen zwischen 4 und knapp
6 Prozent. Sie profitierten von Rekordhochs bei Gold und Silber. Die
Edelmetalle sind angesichts der vielen geopolitischen Krisenherde
wie der Lage im Iran und Trumps Zoll-Drohungen als "sichere Häfen"
derzeit stark gefragt.
Um 64 Prozent auf 57,57 Dollar sprangen die Aktien von Rapt
Therapeutics nach oben. Der britische Pharmakonzern
GSK will das US-Biotech-Unternehmen kaufen und bietet
den Aktionären 58 Dollar je Aktie, was einem Firmenwert von 2,2
Milliarden Dollar entspricht./ck/he