Wiener Börse (Nachmittag) - ATX verharrt im Minus / US-Zolldrohungen wegen Grönlandstreits belasten - Autowerte unter Druck, Polytec verliert fast fünf Prozent - Deutsche Bank Research senkt Verbundkursziel
Die Wiener Börse hat sich am Montag im Verlauf trotz leichter Verbesserungen weiter schwach präsentiert. Der ATX verlor 0,7 Prozent auf 5.433 Punkte. Auch der ATX Prime gab 0,8 Prozent auf 2.696 Einheiten nach. Damit scherte der ATX nicht aus dem europäischen Gesamtbild aus. Sämtliche Leitbörsen Europas fanden sich im Minus. Grund dafür sind neuerliche Zolldrohungen der USA wegen des Streits um Grönland.
US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende wegen des Grönland-Streits angekündigt, dass für acht Länder aus Europa ab dem 1. Februar Strafzölle von 10 Prozent gelten sollen, ab dem 1. Juni dann sogar Zölle von 25 Prozent. Dies solle gelten, bis ein Abkommen über den Kauf Grönlands durch die USA erzielt werde. Betroffen von den Zöllen sind acht europäische NATO-Länder, darunter auch Deutschland. Ende der Woche solle es nun einen Sondergipfel geben, kündigte EU-Ratspräsident António Costa am Sonntagabend in Brüssel an. Schon jetzt wird fieberhaft über Handlungsoptionen beraten, denn es gilt eine gefährliche Gratwanderung zu bewältigen.
In Österreich drückte Jahresinflation auf die Laune. Die Jahresinflation 2025 lag nämlich laut Statistik Austria bei 3,6 Prozent und damit deutlich höher als die Teuerung im Jahr 2024 mit 2,9 Prozent. Damit war Österreichs Inflation wiederum deutlich höher als in fast allen Ländern der Eurozone.
Seitens der Unternehmen rückten der Energieversorger Verbund und der heimische Stahlkonzern voestalpine in den Fokus der Anleger. Für den Verbund haben die Analysten von Deutsche Bank Research das Kursziel in einer aktuellen Studie von 60,0 auf 58,0 Euro gesenkt. Die Einstufung "Sell" wurde von den Analysten James Brand und Olly Jeffery beibehalten. "Der Verbund steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen, darunter schwache Wasserkraft, Ausfälle und neue Vorschriften für das Versorgungsgeschäft", erklären die Analysten die Entscheidung. Die Papiere des Stromunternehmens fielen mittlerweile um 1,50 Prozent auf 62,50 Euro.
Analysten der britischen Großbank Barclays wiederum haben ihr Kursziel für die Aktien der voestalpine von 35,0 Euro auf 44,0 Euro angehoben. Die Anlageempfehlung des Analystenteams um Tom Zhang lautet auf "Overweight". Erklärt wird das damit, dass "ein weiteres solides Quartal, jedoch mit einem sequenziellen Rückgang gegenüber dem Vorquartal trotz besserer Saisonalität, erwartet wird." voestalpine legte bis zum Nachmittag um 0,72 Prozent auf 39,04 Punkte zu.
Damit waren die voestalpine-Aktien eine der wenigen, die sich im ATX Prime im Plus fanden. Top-Performer waren Telekom Austria mit plus 1,4 Prozent und die Vienna Insurance Group mit plus 1,1 Prozent. Uneinheitlich tendierten die schwer gewichteten Bankenwerte. Raiffeisen Bank International (RBI) und Erste Group lagen mit 1,4 bzw. 1,1 Prozent im Minus. BAWAG verzeichneten hingegen ein Plus von 0,7 Prozent.
Der Zollpoker macht sich besonders im Automobilsektor bemerkbar. Das bekommt auch der Automobilzulieferer Polytec zu spüren, dessen Papiere bisher 4,9 Prozent abgaben.
Am Ende des Feldes liegt RHI Magnesita mit einem Minus von 5,0 Prozent. Auch Palfinger fand mit Abgaben von 3,5 Prozent keinen Zuspruch.
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