Industriestrompreis - Hattmannsdorfer sieht "Handlungsbedarf" / Vage Angaben zur Finanzierbarkeit - Gegenfinanzierung laut IHS-Ökonom unabdingbar - Entlastung der Industrie könnte Begehrlichkeiten in anderen Branchen wecken
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer dürfte die Forderung nach einem niedrigeren Strompreis für die Industrie mit in die morgige Regierungsklausur nehmen. Wenn Deutschland Maßnahmen zum Industriestrompreis setzt, bestehe auch in Österreich "Handlungsbedarf", sagte der ÖVP-Minister am Montag im Ö1-Radio. Auf die Frage nach der Finanzierbarkeit angesichts des Sparkurses antwortete er vage: Eine wettbewerbsfähige Wirtschaft sei die "Grundlage der Budgetkonsolidierung".
Wirtschaftskammer-Chefin Martha Schultz will konkret einen geförderten Industriestrompreis von 5 Cent pro Kilowattstunde für drei Jahre, was den Staat rund 400 Mio. Euro jährlich kosten würde. IHS-Ökonom Klaus Weyerstrass sieht aufgrund der "angespannten öffentlichen Kassen" eine Gegenfinanzierung unabdingbar. Als Beispiel nannte der Experte etwa die Streichung von Subventionen für fossile Energieträger - Stichwort: Abschaffung des Dieselprivilegs. "Irgendwer wird das finanzieren müssen und wir haben gleichzeitig noch die Klimaziele", sagte Weyerstrass im Ö1-Mittagsjournal. Mit Blick auf den geforderten Zeitraum von drei Jahren sagte der Ökonom: Stromkosten in Österreich würden auf längere Sicht höher sein, ein längerfristiges Senken könnte nur durch den Ausbau erneuerbarer Energien gelingen.
Begehrlichkeiten aus anderen Branchen
Allerdings, gibt Weyerstrass auch zu Bedenken, könnte eine Entlastung der Industrie bei den Stromkosten Begehrlichkeiten in anderen Branchen wecken. Es sei nicht nur der Strompreis höher in anderen Ländern, sondern auch die Lohnkosten, so der Ökonom. "Es ist problematisch, wenn man sich nur auf einen Produktionsfaktor konzentriert."
Auch Verbund-Chef Michael Strugl hält es für notwendig, dass Österreich beim Industriestrompreis gleichzieht. "Wenn Deutschland nun Maßnahmen setzt, um die Industrie zu entlasten, wird Österreich auch unter Druck kommen und etwas tun müssen", sagte er am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Er sieht darin allerdings ebenfalls eine Übergangslösung: "Längerfristig muss man sich etwas anderes einfallen lassen", so Strugl. Der Schlüssel zu niedrigeren Strompreisen in Europa liege vor allem in einem gut abgestimmten Ausbau der Erzeugung und der Netze in Europa.
hel/cgh
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