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Verbund-Chef Strugl zu Industriestrompreis: Werden nachziehen müssen / Subvention der Strompreise sei allerdings nur Übergangslösung - Langfristig sollen Elektrifizierung und eigene Erzeugung die Preise senken und Europa unabhängiger machen

Wenn Deutschland mit 2027 die geplante Subvention des Industriestrompreises einführt, wird Österreich laut Verbund-Chef Michael Strugl nachziehen müssen. "Die Industrie braucht sofort Hilfe, das versteht jeder", sagte er am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Die Maßnahme sei allerdings eine Übergangslösung: "Längerfristig muss man sich etwas anderes einfallen lassen." Der Schlüssel seien Systemeffizienz und niedrigere Kosten durch mehr Stromerzeugung in Europa.

Die Strompreise seien hierzulande "sowohl bei Haushalten als auch bei der Industrie europäisch ungefähr im Mittelfeld und mit Deutschland vergleichbar", erklärte der Chef des börsennotierten Energiekonzerns. Er sieht "sehr viele Mythen in der Diskussion um Strompreise". Wenn Deutschland nun Maßnahmen setze, um die Industrie zu entlasten, "wird Österreich auch unter Druck kommen und etwas tun müssen", sagte Strugl. Die genaue Ausgestaltung der Maßnahmen sei Aufgabe der Politik.

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) kann sich eine Unterstützung für die Industrie beim Strompreis vorstellen, sagte er zuletzt im Gespräch mit der APA. Thema dürfte das auch bei der Regierungsklausur Mitte der Woche werden. Konkrete Maßnahmen nannte der Minister vorerst nicht.

Strompreise in Europa deutlich höher als global

Das Problem bei der Höhe der Strompreise sei allerdings nicht der innereuropäische, sondern der globale Vergleich, sagte Strugl: Der durchschnittliche Industriestrompreis in den USA und China liege etwa bei 8 Cent pro Kilowattstunde (kWh), in Europa seien es hingegen 15 Cent je kWh. Bei kleineren Betrieben sei der Preis in Europa sogar dreimal so hoch. "Das ist das Problem, mit dem sich Europa massiv auseinandersetzen wird müssen."

Als Schlüssel zu günstigeren Strompreisen und mehr Resilienz in Europa sieht Strugl den Ausbau der Stromerzeugung, insbesondere aus erneuerbarer Energie, und der Netze. "Wenn die Amerikaner gesagt haben 'drill, baby, drill', müssen wir sagen: 'Wir müssen ausbauen'." Ein wesentlicher Faktor sei dabei auch die Verringerung von Importabhängigkeit, insbesondere bei Gas.

Umbau des Energiesystems muss gut abgestimmt sein

Ein zweiter Hebel sei die Senkung der Systemkosten. "Je nachdem, wie gut und wie kosteneffizient ich die Transformation gestalte und plane, desto günstiger wird sie", sagte Strugl. Zentral sei es, den Ausbau von Erzeugung, Netzen und Speichern bestmöglich aufeinander abzustimmen und netzdienliches Verhalten bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu fördern. "Rund um das Thema gibt es eine Menge zu behirnen", sagte Strugl.

Zu diesem Zweck sei auch der österreichische Netzinfrastrukturplan (ÖNIP) "dringend zu überarbeiten". Dieser enthalte "viel zu hohe Anteile von Photovoltaik" und zu wenig Windenergie, außerdem fehlten darin Batteriespeicher und auch zukünftige Anstiege des Stromverbrauchs seien unzureichend berücksichtigt.

Der Verbund bietet Haushalts- und Gewerbekunden ab März 2026 einen neuen Stromtarif an. Der Strompreis soll darin unter 10 Cent pro kWh liegen, statt rund 15 Cent je kWh bisher.

Stromnetz in Österreich gut abgesichert

Mit Blick auf den Stromausfall in Berlin und die Frage, ob das auch in Österreich passieren könnte, verwies Strugl auf die "Redundanz der Versorgung" hierzulande. "Diese Sicherheit, dass alles doppelt angespeist und abgestützt werden muss, das war in Berlin nicht der Fall." Es werde enorm viel in die physische und die Cybersicherheit des Stromnetzes in Österreich investiert. Bei einem Blackout könne man die Netze innerhalb von 24 Stunden wieder aufbauen.

cgh/kre

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