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Computerhandel kostet nur die Hälfte - fast jeder zehnte Aktienbanker musste gehen

Wer in der Aktien-Abteilung einer Investmentbank arbeitet, der hatte in den vergangenen Monaten keine guten Karten. Viele Finanzriesen entschieden sich nämlich, besonders stark in diesem Bereich Stellen abzubauen. Grund: Die Erholung verläuft hier viel langsamer, und immer mehr Geschäfte werden elektronisch abgewickelt.

Die Anzahl der Mitarbeiter in Aktien-Abteilungen reduzierte sich in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahren weltweit um 8,5 Prozent - statistisch verlor fast jeder Zehnte seinen Job. Das geht aus einer Erhebung von Coalition Ltd. hervor. Bei Festverzinslichen ging es demnach nur um 6,6 Prozent nach unten, während im Emissions- und Beratungsgeschäft rund 5,8 Prozent der Kollegen von Bord gehen mussten. Vierzig Investmentbanken - von Bank of America Corp. bis hin zu Nomura Holdings Inc. - haben im vergangenen Jahr mehr als 68.000 Stellenstreichungen angekündigt, wie von Bloomberg News zusammengestellte Daten belegen.

Handelsgeschäfte, bei denen Menschen ihre Hände im Spiel haben, kosten laut Erhebung von Tabb Group LLC 2,05 US-Cent je Aktie, während es bei von Computern durchgeführten Transaktionen lediglich 1,08 US-Cent sind. “Was auch immer passiert: Die Art, in der die Geschäfte bislang gelaufen sind, wird sich vor dem Hintergrund dieser Herausforderung für immer ändern”, sagte Mike Di Iorio, Aktien-Chef für Asien-Pazifik bei Barclays Capital.

Die Erlöse im Bereich “Global Banking und Markets” haben im dritten Quartal zwar um 53 Prozent zugelegt, allerdings war es der erste Quartalsanstieg in einem Jahr, wie die Bilanzen von neun Banken zeigen. Die Erlöse im Bereich Aktienverkauf und - handel kletterten im selben Zeitraum um 6,7 Prozent, was jenseits des Beratungsgeschäfts die schwächste Erholung unter allen Geschäftszweigen war.

Die Royal Bank of Scotland Group Plc gab im Januar bekannt, sich aus dem Bereich Cash-Equities verabschieden zu wollen - also dem Handel von Aktien an Börsen. UniCredit SpA, die größte Bank Italiens, verkündete im Juni, sie werde die Aktiengeschäfte in Mittel- und in Osteuropa zurückfahren. Und Mitarbeiter aus Aktien-Abteilungen werden zu jenen 1600 Kollegen zählen, die der US-Konzern Morgan Stanley nach Angaben aus informierten Kreisen in seiner Investmentbank feuern will.

Hart trifft es auch kleinere Broker, die Handelsgeschäfte per Telefon durchführen oder versuchen, Analysen zu verkaufen. ThinkEquity LLC, Rodman & Renshaw LLC und WJB Capital Group Inc. haben bereits aufgegeben und im vergangenen Jahr ihre Türen für immer geschlossen. Atlantic Equities LLP, ein Londoner Broker, der Analysen zu US-Aktien europäischen Kunden anbietet, begrub Expansionspläne nach New York. Andere Handelsfirmen wie Oscar Gruss & Son Inc. oder Ticonderoga Securities LLC haben ebenfalls einige Mitarbeiter im Bereich Aktien gefeuert oder im Verlauf von 2012 dicht gemacht. “In der Branche gibt noch immer zu viele Broker, und es wird noch zu einem weiteren Rückgang kommen”, sagte Alec Levine, ein Stratege für Aktien-Derivate bei Newedge Group SA in New York in einem Interview mit Bloomberg News.

Fest steht: Das Volumen bei Aktien fällt weltweit. Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen bei Titeln aus dem Stoxx Europe 600 Index gab beispielsweise im vergangenen Jahr um 11 Prozent nach, wie Daten von Bloomberg News belegen. Bei Werten im Hongkonger Hang Seng Index ging es im selben Zeitraum um 13 Prozent nach unten. Und beim Nikkei 225 Stock Average in Japan ergab sich ein Rückgang von 4,8 Prozent. Für Unternehmen, die an US-Börsen gelistet sind, zeigen die Daten ein Minus von 18 Prozent.

“Die Job-Beschreibungen haben sich im Verlauf des vergangenen Jahres verändert”, sagte James Boyle, Chef für den Aktienhandel in Asien-Pazifik bei Citigroup Inc. “Sales-Leute eignen sich immer tieferes Wissen zu den Produkten an, und Broker entwickeln Kunden-Bindungen.”