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Rasinger: Rasinger: Sozialismus und Kapitalmarkt
Der Kommunismus ist gescheitert und überwunden, der Kapitalismus schwächelt und wird zunehmend in Frage gestellt. Mangels überzeugender Alternativen ist eine Lösung nicht in Sicht. Die Unternehmen müssen ihre Aktivitäten und ihr Wachstum finanzieren, die breite Bevölkerung konnte dank der Lohnpolitik der Gewerkschaften einen Teil des Einkommens zurücklegen und verfügt über beachtliche Spareinlagen. Der Wohlstand, aber auch die zukünftigen Pensionen in diesem Land, sind von einer gut gehenden Wirtschaft abhängig. Schweden, für viele Sozialdemokraten immer noch ein Vorbild, zeigt beeindruckend, dass ein hoch entwickelter Sozialstaat nicht Widerspruch zu einem funktionierenden heimischen Kapitalmarkt steht, sondern eine wichtige Basis schafft. In Österreich werden, ohne viel nachzudenken, Aktionäre als gierige Spekulanten abgestempelt. Es geht so weit, dass Politiker „stolz“ sind, nicht an heimischen Qualitätsunternehmen beteiligt zu sein. Ausländische Investoren werden mit viel Engagement und Mühe angeworben, die aber meist aber nur kurzfristig einsteigen und nach satten Kurssteigerungen rasch wieder aussteigen. Es ist naiv zu glauben, dass ausländische Investoren aus Nächstenliebe oder Sympathie zu den Österreichern Risikokapital günstig zur Verfügung stellen. Heimische Investoren, so zeigen Beispiele in vielen Ländern, haben einen Bezug zu jenen Unternehmen, in die sie investiert haben, sind treu und begleiten das Unternehmen in guten und in schlechten Zeiten. Es ist weder wirtschafts- noch viel demokratiepolitisch sinnvoll, dass die Menschen ihr Geld nur in nicht inflationsgeschützte Nominalwerten investieren. Eine Beteiligung an den heimischen, substanzstarken Wirtschaftsunternehmen sollte daher überlegt werden. Die Alternativen sind problematisch. Denn der Staat bzw. die öffentliche Hand hat als Unternehmer, wie die vielen Negativbeispiele der Vergangenheit und der Gegenwart zeigen, spektakulär versagt.
Leider sind viele Österreicher durch eigens Unwissen und Gutgläubigkeit, aber auch gefinkelte Konstruktionen und Handlungen, die Gegenstand von strafrechtlichen Erhebungen sind, geschädigt worden - als Beispiele sei an die Meinl-Finanzprodukte MEL, MIP und MAI, aber auch AMIS, AvW, Immofinanz-alt/AWD erinnert. Es muss der Bevölkerung eine Möglichkeit gegeben werden, sich auf einer gesicherten Vertrauensbasis an heimischen Unternehmen zu beteiligen. Dazu bedarf es strenger Regeln, deren Einhaltung auch überprüft wird und deren Nicht-Einhaltung sanktioniert werden. Ein gesunder Kapitalmarkt bringt vor allem für überdurchschnittlich qualifizierte Menschen Beschäftigungsmöglichkeiten. Für „Heuschrecken“, Hard-core-Spekulanten und skrupellose Abzocker sollte kein Platz sein. Schweden hat eine seit Jahrzehnte hochentwickelte Kapitalmarktkultur und gleichzeitig ein bewährtes Sozialsystem. Populistische Klassenkampfparolen mögen zwar kurzfristig Stimmen bringen, sind aber eigentlich Beiträge zur Volksverdummung.
Dr. Wilhelm Rasinger