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Rasinger: Vier Jahre Meinl-Anlegerskandale

Seit einiger Zeit inseriert die Meinl-Bank mit hoher Penetranz und äußerst professionell in ausgewählten Zeitungen. Die vielen geschädigten Anleger von Meinl European Land (heute Atrium) fühlen sich über Aussagen verhöhnt wie etwa „Meinl Bank: Fonds für soziale Härtefälle“, „faire Lösungen für Anleger mit Verlusten“, „Wir wollen über Gesetzesanforderung hinaus helfen, Härtefälle abzumildern“. Es werden zwar Mini -Schritte in die richtige Richtung gesetzt, aber die bisherigen Vergleiche waren für die Anleger nach Jahren der Zermürbungstaktik eher kleinlich und schäbig. In bunten, auflagestarken Blättern preist der Vorstand Peter Weinzierl die Meinl-Bank als Unternehmen mit Herz und sozialer Verantwortung. Papier ist bekanntlich geduldig und bei Inseraten wird der Inhalt nicht hinterfragt.

--new_page-- Ungeniert ist Meinl mit seinen Beratern dabei, sich zum Opfer der Justiz hochzustilisieren: „“Vorverurteilungen untergraben rechtsstaatliche Prinzipien“, „Das Verfahren gegen die Meinl Bank und Julius Meinl ist durch rechtsstaatlich fragwürdige Vorgehensweisen gekennzeichnet“. Als Top-Unternehmen wird Meinl am Graben („Mekka für Gourmets“) als Wirtschaftsfaktor für Österreich mit immerhin 230 Mitarbeiter dargestellt. Und rein zufällig finden sich in diesen Blättern immer wieder auch redaktionelle Artikel, die die mehr als subjektiven Standpunkten von Meinl wiedergeben.

--new_page-- Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache: die Anzahl der geschädigten Anleger von MEL, Meinl International Power (mit Grasser als hochbezahltem Manager) sowie Meinl Airports International liegt weit über 10.000, die Schadenssumme je nach Berechnungsart bei mehreren hundert Millionen bis über eine Milliarde Euro. Im Zuge der „sozialen“ Aktivitäten fließen an die Anleger angeblich 30 Millionen zurück, also bloss ein Bruchteil der vorhin genannten Summen bzw. weniger als die diversen Berater und Rechtsanwälte kosten. Der Finanzplatz Wien wurde national und international zwar nicht nur durch Meinl, sondern auch durch Immofinanz-alt bzw. Petrikovics, sowie durch die Hypo Alpe Adria und in der Steiermark und Kärnten durch AvW nachhaltig beschädigt. --new_page-- Viele Anleger haben das Vertrauen verloren, die Justiz in Wien war bisher dem Engagement und dem Druck der hochbezahlten, spitzfindigen und nicht gerade zimperlichen Rechtsanwälte nicht wirklich gewachsen. Denn im Gegensatz zur Republik kann Meinl , wie beschrieben, Unsummen für die mediale Konfrontation und Imagepolitur einsetzen. Es ist zu hoffen, dass Meinl nicht wie Mensdorff-Pouilly letztendlich eine erkleckliche Haftentschädigung erhält und, weil wir ja in Österreich leben, dazu vielleicht auch noch einen Orden für seine Verdienste als moderner Robin Hood der Anleger und als Förderer des Kapitalmarktes und des Risikobewußtseins in der Bevölkerung. Dr. Wilhelm Rasinger