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Skylink-Chronologie: Was bisher geschah

Nach der Verdopplung der Baukosten für die Skandalbaustelle Skylink wird es für die Flughafen-Spitze heute ernst. Ein erster Vorstands-Rausschmiss erfolgte 2009. Ein Krieg mit dem Rechnungshof (RH) und ein monatelanger Baustopp lähmten bis Anfang 2010 die Handelnden. Dazu kommen interne Konflikte. Der kritische Rechnungshofbericht liegt als Rohbericht seit September vor. Um Konsequenzen zu ziehen, wollte der Aufsichtsrat unter seinem Vorsitzenden Christoph Herbst nicht mehr auf den Endbericht warten. Heute im Aufsichtsrat ab 15 Uhr wird das Schicksal der Chefs entschieden. Ob den Abberufungsanträgen des Präsidenten heute schon statt gegeben wird, soll am Abend bekanntgegeben werden.

Bisher besteht die Flughafen-Spitze aus Vorstandssprecher Herbert Kaufmann, Ernest Gabmann und Gerhard Schmid. Einer der Knackpunkte waren neben Polit-Rangeleien um den weiteren Einfluss der Kernaktionäre (Wien, Niederösterreich) bis zuletzt die Millionenansprüche der drei Vorstände. Allen voran die Abfertigungsforderungen von Kaufmann. Der Rechnungshof bezweifelt, dass der Terminalbau nach gesamthaften Kostenschätzungen auf mehr als 1 Mrd. Euro noch wirtschaftlich ist. Er rät den Airport-Eigentümern angesichts der weiteren Investitionen in den Flughafenausbau zu einer Kapitalerhöhung.

Geplant wird der Flughafenausbau seit 1999. Anfang 2000 läuft die Projektarbeit für den Terminalausbau an, nach "9/11" wird das Vorhaben geschrumpft. 2002 geht es richtig los.

Herbst 2002: Erstmals werden Kosten für "Skylink" genannt: 360 Mio. Euro und 40 Mio. Euro Vorsorge für "Unvorhergesehenes", gesamt 402 Mio. Euro.

Juni 2004: Der Flughafen Wien kündigt das Projekt offiziell an. Kostenschätzung in der ersten Stufe: 280 Mio. Euro. Fertigstellung: Mitte 2008.

Jänner 2005: Die geplanten Investitionen werden auf 366 Mio. Euro nach oben revidiert. Der Bau soll nun wieder größer werden.

Oktober 2005: Baubeginn. Fertigstellungstermin soll Ende 2008 sein. Im Dezember ist von 400 Mio. Euro Kosten die Rede.

Jänner 2006: Grundsteinlegung. Als Baukosten werden 400,2 Mio. Euro angegeben, plus 50 Mio. Euro für Gepäcksortieranlagen. Im Oktober/November lautet die Hochrechnung auf 420 Mio. Euro. Die Inbetriebnahme ist nun für das erste Quartal 2009 geplant.

Jänner 2007: Zum ersten Mal ist offiziell von leichten Verzögerungen die Rede.

Februar 2007: Der Aufsichtsrat muss das Skylink-Budget auf 425,4 Mio. Euro aufstocken. Im Mai ist intern von 450 Mio. Euro die Rede.

November 2007: Das Bau-Budget wird auf 512,6 Mio. Euro ausgedehnt.

Jänner 2008: Interne Memos sprechen von 568 Mio. Euro.

August 2008: Der Flughafen gibt zu, dass Skylink nicht im Juni 2009 eröffnet werden kann, sondern schrittweise ab Oktober - und 657 Mio. Euro kosten soll.

Jänner 2009: Die Fertigstellung wird für 2010 ins Auge gefasst.

Februar 2009: Finanzvorstand Christian Domany wird abgesetzt, als seinen Nachfolger setzt das Land Niederösterreich Ernest Gabmann (V) ein.

März 2009: Gabmann weist Gerüchte um eine Kostenexplosion auf fast 1 Mrd. Euro zurück.

April: Die Kosten werden mit 830 Mio. Euro angegeben. Fertigstellung: Dezember 2011, Eröffnung Anfang 2012.

Juni 2009: Der Flughafen verhängt einen vollständigen Baustopp. Aufträge werden neu vergeben.

Februar 2010: Der Baustopp ist aufgehoben. Die Bauaufsicht ist neu geregelt.

Mai 2010: Hausdurchsuchungen bei Baufirmen, abermals Vorwürfe auf Untreueverdacht gegen Airport-Manager und Baufirmenvertreter, die Vorwürfe gegen die Manager werden wieder dementiert.

Herbst 2010: Ein Rohbericht der Rechnungshofprüfer - die der Flughafen-Vorstand monatelang von der Bauprüfung fernhalten wollte - ist fertig. Der Endbericht könnte schicksalhaft werden für die Zukunft der Airport-Vorstände. Mehrere Aufsichtstermine verstreichen, ohne dass Entscheidungen fallen. Die Eigentümer setzen ein Ultimatum: Der Bau muss 2012 in jedem Fall fertig sein. Die 830-Millionen-Schwelle soll dank Auslagerung von "Schnittstellenkosten" nicht überschritten werden. Der Rechnungshof zählt sie weiter dazu und sieht schon die Milliardenschwelle. Der Vorstand hat die Kritik wiederholt zurückgewiesen.

Relevante Links: Flughafen Wien AG