, boerse-express

Rechnungshof empfiehlt Flughafen Wien Kapitalerhöhung

Der Rechnungshof empfiehlt dem Flughafen Wien eine Kapitalerhöhung, schreibt der "Standard" unter Berufung auf einen RH-Rohbericht. Grund seien der Anstieg der Nettoverbindlichkeiten auf 613,9 Mio. Euro sowie geplante weitere Investitionen über 1,28 Mrd. Euro. Die Verschuldungsquote habe sich seit 2005 von 17 auf 77 Prozent mehr als vervierfacht. Unter Berücksichtigung der Kapitalkosten werde der neue Terminal Skylink auch keinen Ertrag mehr bringen.

Für den Bau von Skylink sei der gesamte Vorstand mitverantwortlich gewesen, so der RH-Rohbericht laut "Standard". Denn der Gesamtvorstand sei regelmäßig über das Projekt informiert worden und habe dem Steering Committee angehört, das den Baufortschritt kontrollierte. Dieses Gremium habe von April 2001 bis Jänner 2009 37 Sitzungen abgehalten. Obwohl das Comittee für "notwendige Entscheidungen" zuständig war, habe der damals neue Finanzvorstand Ernest Gabmann am 30. Juni 2009 den Baustopp samt Vertragskündigungen verkündet, ohne "Beschluss des Gesamtvorstandes", wie der RH festhalte. In einem Fall setzte sich der Vorstand über ein Gutachten der Anwälte hinweg, die eine Direktvergabe der Heizungs- und Klimatechnik als rechtswidrig bezeichnet hatten. "Die Verstöße gegen Vergabevorschriften machen in Summe 103 Millionen aus" heißt es im "Standard" (Vorabbericht für die Mittwochsausgabe).

Auch der Aufsichtsrat sei lückenhaft informiert worden, in den Vorstandsberichten hätten wichtige Informationen gefehlt. Der RH habe nicht klären können, "ob die Vorstandsberichte von allen Vorstandsmitgliedern in vollem Umfang mitgetragen wurden". Dafür habe sich der Vorstand mittels zahlreicher Gutachten "gegen eine allfällige strafrechtliche Verfolgung" abgesichert.

Der Flughafen Wien hält daran fest, dass der Skylink-Bau maximal 830 Mio. Euro kosten wird. Der Rechnungshof schreibt hingegen laut "Standard", die Kostensituation sei "äußerst instabil". Die Kostenermittlung "basierte zunehmend auf pauschalen Annahmen und groben Schätzungen. ... Durch die Herauslösung von Projekten wurde die Kostenschätzung ... als Kontrollinstrument sowie als Grundlage für die Budgetplanung ungeeigneter".

Zuletzt hatte der Rechnungshof Gesamtkosten von 952 Mio. Euro für Skylink errechnet. Der "Standard" schreibt nun: "Nicht nur das Projekt Skylink geriet aus den Fugen, kamen auch 15 neue Projekte dazu, etwa die Verbreiterung der Vorfahrt zum Terminal oder eine Leitsystemerneuerung. Sie verdoppeln die Kosten des Megaprojekts laut Planzahlen 2009 von 510 Millionen Euro auf 1,027 Milliarden Euro".

Relevante Links: Flughafen Wien AG