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Flughafen soll sich neu aufstellen, Herbst für Vorstand kolportiert

Im Aufsichtsrat in der letzten Novemberwoche wird ein Führungswechsel am börsenotierten Flughafen Wien erwartet. Es geht um einen Neuanfang nach dem Streit um die Skandalbaustelle "Skylink". Über Details der vorzeitigen Vertragsauflösung von Vorstandssprecher Herbert Kaufmann wird auch auf Polit-Ebene seit längerem gesprochen, es könnte auch sein Vize Ernest Gabmann sein Gastspiel am Flughafen vor der Zeit beenden. Gerhard Schmid werden in der Branche geteilte Chancen zugeschrieben, im Management zu verbleiben.

In informierten Kreisen wird dem amtierenden Aufsichtsratspräsidenten Christoph Herbst Aussicht auf ein Amt im Vorstand zugeschrieben, in weiterer Folge könnte die Managersuche auf internationale Experten ausgedehnt werden. Entschieden ist bisher nichts, die amtierenden Vorstände pochten auf die Erfüllung ihrer Verträge. In die Airport-Führungsetagen haben sich Misstrauen und Verbitterung hineingefressen, wie aus dem Unternehmensumfeld verlautet.

Im "Standard" wurde Herbst vorige Woche als möglicher Nachfolger für Gabmann kolportiert. Herbst wollte auch am Freitag die Gerüchte auf APA-Anfrage nicht kommentieren. Der seit dem Spätsommer 2009 im Amt befindliche Airport-Aufsichtsratschef ist Rechtsanwalt für Wirtschafts- und Finanzfragen.

In der Zeitung "Kurier" (Samstagausgabe) bezeichnet Herbst die Kritik des Rechnungshofes im Rohbericht über Skylink als "harsch, aber sehr sachlich und profund". Ganz unerwartet sei diese geballte Kritik nicht gekommen. Zur Frage, ob der Aufsichtsrat den Vorständen zu sehr vertraut habe, sagt er: "Im Nachhinein ist man immer klüger". Aus derzeitiger Sicht könnten der Zeitplan für die Fertigstellung und die Kosten von 830 Mio. Euro, ohne Schnittstellenkosten, eingehalten werden.

Der Flughafen müsse sich neu aufstellen und umdenken, um gegenüber den Konkurrenz-Hubs im Lufthansa-Verbund wettbewerbsfähig zu bleiben. Neben dem Aufbau einer effizienten Organisation müssten neue Einnahmen lukriert und die Kosten gesenkt werden.

Herbst spricht in dem Interview bei den Kostensenkungen von einer Grössenordnung von 10 Prozent. Es gehe darum, ohne Kündigungen das Auslangen zu finden, aber Veränderungen würden unumgänglich sein. Die Massnahmen müssten in den nächsten zwei Jahren umgesetzt sein.

Hauptaktionäre der Flughafen-Gesellschaft sind das Land Niederösterreich und die Stadt Wien. Die beiden Länder sind mit je 20 Prozent beteiligt, ihr Wort hat entscheidendes Gewicht bei allen Weichenstellungen. 10 Prozent der Aktien hält die Mitarbeiterstiftung, die weiteren 50 Prozent sind Streubesitz.

Dass es bis zu den Sitzungen der Aufsichtsräte bzw. zur Präsentation der Ergebnisse zum 3. Quartal am 24. und 25. November dauert, bis die personellen Würfel gefallen sind, wird in informierten Kreisen bezweifelt. Für Veränderungen am Flughafen sollte die Wiener Wahl vom 10. Oktober abgewartet werden. Die Wahl ist geschlagen. Argumentarien für Rochaden am Airport liefern, wie erwartet wird, weite Teile des Rechnungshof-Berichts zur Skylink-Kostenexplosion.

Einen ersten Vorstand hat die Grossbaustelle Skylink schon 2009 das Amt gekostet. Vor eineinhalb Jahren wurde Christian Domany durch Ernest Gabmann ersetzt. Gabmann, zuvor VP-Landeshauptmannstellvertreter in Niederösterreich, verfügte gleich einmal einen monatelangen Baustopp bis Anfang 2010, die Kritik verstummte nicht. Die RH-Prüfer nahmen sich der Entwicklung an. Ein Rohbericht ist im September fertig geworden, jetzt fliessen die Stellungnahmen der Hauptbeteiligten ein. An dem Terminalbau am Flughafen Wien-Schwechat sind die Kosten seit Baubeginn auf das Doppelte explodiert. Der Flughafen musste die Reissleine ziehen und bekam von Eigentümerseite ein Ultimatum: Bis 2012 muss der Bau fertig sein. Sonst blühen der Airport-Führung persönliche Konsequenzen - sollte sie dann noch im Amt sein. Nach zahlreichen Anzeigen und Sachverhaltsdarstellungen in der Skylink-Affäre ist seit mehr als einem Jahr auch die Justiz eingeschaltet. Die jetzigen Flughafen-Manager haben selber Schadenersatzklagen gegen Baufirmen angekündigt.

Im "Kurier" sagt Herbst auf Fragen, ob Vorstände ihre Sorgfaltspflicht verletzt hätten, es gebe keine Vorwürfe strafrechtlicher Relevanz. Aber daneben gebe es eine Reihe von Themen, die zu prüfen seien. Der Aufsichtsrat werde Ende November die Konsequenzen für den Vorstand nach dem Rechnungshofbericht entscheiden.

Relevante Links: Flughafen Wien AG