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ROUNDUP: Russland-Abschreibung brockt Fraport hohen Verlust ein - Aktie sackt ab

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport ist trotz der Erholung des Passagierverkehrs im ersten Quartal überraschend tief in den roten Zahlen geblieben. So schrieb der Konzern auf ein Darlehen im Zusammenhang mit seiner Beteiligung am russischen Flughafen in St. Petersburg fast 50 Millionen Euro ab - was den Nettoverlust im ersten Quartal um zwei Drittel auf 108 Millionen Euro anschwellen ließ. Analysten hatten mit einem deutlich kleineren Minus gerechnet. Unterdessen sagte Vorstandschef Stefan Schulte dem Frankfurter Flughafen am Dienstag für das laufende Jahr weiterhin eine deutliche Zunahme der Passagierzahlen voraus. Zudem rechnet er sowohl im Tagesgeschäft als auch unter dem Strich mit Gewinn.

An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an. Nach einem anfänglichen Kursrutsch um mehr als sieben Prozent lag die Fraport-Aktie am Vormittag zuletzt noch mit rund drei Prozent im Minus bei 49,33 Euro und war damit zweitschwächster Titel im MDax , dem Index der mittelgroßen Werte. Seit dem Jahreswechsel hat das Fraport-Papier damit mehr als 16 Prozent eingebüßt. Fraport gehört mehrheitlich dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt am Main.

Im ersten Quartal kamen den Fraport-Konzern die Sanktionen gegen Russland infolge des Ukraine-Kriegs teuer zu stehen. Das Unternehmen ist seit 2009 über eine Holding in Zypern Minderheitsgesellschafter des Petersburger Flughafenbetreibers Northern Capital Gateway. Die Forderung gegen die Holding wurde um 48,2 Millionen Euro nach unten korrigiert, wie das Unternehmen am Morgen mitteilte. Die Fraport sieht derzeit keinen Weg, sich von der Beteiligung zu trennen, hat aber seine Tätigkeiten in Russland eingestellt.

Den verbleibenden Buchwert der Darlehensforderungen (zum 31. März) beziffert das Unternehmen auf 110,9 Millionen Euro. Bereits im Geschäftsjahr 2020 hatte es eine Wertberichtigung nach unten um 9,7 Millionen Euro gegeben. Weitere Eigner der NCG sind die von den westlichen Sanktionen betroffene VTB-Bank sowie die griechische Copelouzos Group.

Unterdessen zeigte sich vor allem im März eine zunehmende Nachfrage nach Flugtickets, die ein Jahr zuvor noch stärker unter den Reisebeschränkungen infolge der Corona-Pandemie gelitten hatte. So stieg Fraports Umsatz im ersten Quartal im Vergleich zum lockdowngeprägten Vorjahreszeitraum überraschend stark um 40 Prozent auf knapp 540 Millionen Euro. Der operative Gewinn (Ebitda) legte um gut drei Viertel auf knapp 71 Millionen Euro zu, blieb aber hinter den Erwartungen von Analysten zurück.

Für das Gesamtjahr 2022 rechnet Vorstandschef Stefan Schulte weiter mit einer Erholung der Nachfrage auf 39 Millionen bis 46 Millionen Fluggäste in Frankfurt. Das entspricht bis zu 65 Prozent des Aufkommens aus dem Jahr vor der Corona-Krise. Im April erreichte die Passagierzahl nach einem schwachen Jahresstart 66 Prozent des Vergleichswerts von 2019. Auch die Fraport-Flughäfen im Ausland legten im ersten Quartal deutlich zu.

Neben dem Ukraine-Krieg beeinflusse auch die hohe Teuerungsrate das Geschäft, berichtete das Unternehmen. Das Management bestätigte aber seine Prognose, am Jahresende bei einem Umsatz von rund 3 Milliarden Euro einen Überschuss von 50 Millionen bis 150 Millionen Euro ausweisen zu wollen. Der operative Gewinn soll weiterhin 760 bis 880 Millionen Euro erreichen./stw/ceb/jcf/mis

 ISIN  DE0005773303

AXC0156 2022-05-10/11:47

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